Das Zeitalter der „Best Ager“

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Wir leben aktuell in Zeiten der sog. „Best Ager“ und der „Gesellschaftsgruppe 50+“. Das bedeutet, wir haben viele vermögenden Menschen im gesetzteren Alter, die u.U. selber geerbt aber zumindest zukünftig vererben werden. Den allermeisten Verbrauchern ist der Begriff „Best Ager“ unbekannt, noch mehr sogar die Begrifflichkeit „Estate Planning“. Der Begriff stammt ursächlich aus den USA und findet mittlerweile in der Finanzbranche als hochwertige Dienstleistung einen höheren Bekanntheitsgrad. Man versteht unter dem Begriff die ganzheitliche Beratung und Betreuung der vermögenderen Klientel bei der Umsetzung der eigenen Vermögensnachfolge. Das gilt für die privaten und unternehmerischen Bereiche. Das Estate Planning (Nachlassplanung) beinhaltet sich mit der professionellen Analyse und der Strukturierung der Vermögenswerte. Wichtig dabei ist, dass stets die Erfahrungen, Wünsche und Ziele des Kunden oberste Priorität haben. Die fachlichen Voraussetzungen und die erforderliche Kompetenz von Nachlassplanern sind vielfältig und gehören zu den anspruchsvollsten Berufen in unserem Land. Das Aufgabenfeld umfasst neben der gesamten intensiven Vermögensanalyse (z.B. Auflistungen aller Bankkonten, Lebensversicherungen, Immobilienwerte im In- und Ausland, Oldtimer, Wertpapierdepots, Aktien, Unternehmensbeteiligungen, Yachten, Edelmetalle, Kunst u.vm.) auch die parallele Begleitung der unternehmerischen Konstruktionen von Firmen und Unterlagen wie Gesellschaftergeschäftsführerverträge, Tochterunternehmen, mögliche Holdingstrukturen usw. Es muss immer eine Frage gestellt und vom Kunden beantwortet werden: Was passiert, wenn Ihnen etwas zustößt?

Ob selbstverschuldet oder fremd, spielt überhaupt keine Rolle. Was passiert, wenn der „Ernährer“ der Familie länger ausfällt? Schon mal sechzig Sekunden Probesterben durchgeführt? Welcher Film läuft dann vor einem ab? Antwort: Grundsätzlich sind die Antworten gleich. Bei einem längeren Ausfall, z.B. nach einem Unfall, einige Wochen im Koma liegend. Da sind Probleme vorprogrammiert, nämlich wie z.B. gibt es bevollmächtigte und kompetente Personen, die das Unternehmen weiterführen können. Sind Kontovollmachten für die Firma vorhanden? Was passiert im privaten Bereich? Wer vertritt die Wünsche und Aufgaben der „ausgefallenen“ Person und gibt es Vollmachten und Verfügungen? Die Handlungsfähigkeiten im unternehmerischen und privaten Bereich juristisch zu lösen (sofern nicht vorhanden) sind die ersten Sofortmaßnahmen im Estate Planning-Segment, also Vollmachten und Verfügungen umzusetzen. Dazu werden sämtliche Szenarien durch Tod für den Mann, Frau, Kinder, uneheliche Kinder usw.) durchleuchtet und die gesamte steuerliche Folge daraus dann konkret erläutert. In den allermeisten Fällen sind keine korrekten und aktuellen Lösungen bei vermögenden Menschen aufzufinden. Vermögende Menschen neigen oftmals dazu, ungeordnet bis hin zu chaotisch organisiert zu sein, was den eigenen Nachlass anbelangt. Der eigenen Steuerberater und auch, wenn vorhanden, Rechtsanwalt oder Notar kommunizieren selten bis gar nicht miteinander. Der Bankbetreuer, ggfls. Vermögensverwalter und auch der Anlageberater kommunizieren ebenfalls nicht untereinander. Somit sind Tür und Tor geöffnet (und so ist es in der Realität fast ausnahmslos vorzufinden), dass bei längeren Ausfällen durch Krankheit, Unfall oder durch einen Todesfall, der Familienfrieden erheblich gestört wird und dass es wieder einmal nur einen „Lachenden“ bei diesen Vorgängen gibt.

Das ist das „liebe“ Finanzamt in unserem Lande. Jedes Jahr „freuen“ sich bundesweit die Finanzämter über Milliardenbeträge an Erbschaftssteuer, weil die Erblasser nicht gut genug oder sogar katastrophal ihren Nachlass „geregelt“ haben. Bis 2020 werden jährlich ca. 350 Milliarden Euro Vermögen übertragen, davon ca. 10 Milliarden Euro Erbfälle. Hieran sieht man die Größenordnung, was hier jedes Jahr in Deutschland verschenkt und vererbt wird. Die wenigsten Menschen, ob vermögend oder nicht, haben Vollmachten, Verfügungen oder gar ein Testament. Ein Estate Planner moderiert zwischen den Parteien Kunde, Steuerberater und Anwalt / Notar, manchmal ist er sogar auch ungewollt Mediator in einigen Familien. Professionelle Estate Planner haben auch die Testamentsvollstreckung inne. Das rundet die höherwertige Dienstleistung zusätzlich noch ab. Die Neustrukturierung der ermittelten Vermögenswerte wird dann auch häufig übernommen. Es werden Lösungen von vermögenden Kunden nachgefragt wie z.B. Schenkungssteuermöglichkeiten zu Lebzeiten oder steuerlich optimierte Lösungen, um das Höchstmaß an Vermögenswerten zu schützen und zu sichern. Daher kommen nun “zwangsläufig“ Sachwerte zum Tragen. Sachwerte gehören grundsätzlich zum Produktivkapital der Wirtschaft. Sachwerte beinhalten „innere“ und „echte“ Werte, die eine Wertsteigerung, Wertsicherung und wichtig, eine Wertübertragung möglich machen. Sachwertlösungen haben teilweise unterschiedliche steuerliche Vorteile. Hierbei nimmt die Immobilie oder auch spezielle Immobilienbeteiligungsmöglichkeiten eine ganz interessante Stellung ein. Weitere Sachwerte wie Unternehmensbeteiligungen, Aktien, Fonds- und Wertpapierdepots folgen unmittelbar. Bei der Vermögensstrukturierung hat auch der formelle Lebensversicherungsmantel, das ist vielen Finanzberatern nicht bekannt, einen ganz besonderen und schützenden Stellenwert.

Man berücksichtige hier aber unbedingt den Finanzplatz Liechtenstein als Sitz der Gesellschaft, da genau hier noch ganz besondere Kundenvorteile vorherrschen. Die Möglichkeiten Vermögen zu schützen, zu übertragen und auch noch den „Daumen“ bis zum Tod auf sein Vermögen zu besitzen, das sind u.a. konkrete Wünsche von vermögenden Menschen. Dazu kommen noch Optionen wie sog. Term-Fix-Klauseln, um den z.B. jungen Erben erst mit der Zeit Zugriff auf die Vermögenswerte geben zu können. Junge Erben sind oftmals schlichtweg überfordert mit hohen Erbfallsummen. Die Erblasser schützen somit Ihr Vermögen und auch die Erben. In der Königsklasse spielen die „besten Player“. Vermögende „Best Ager“ oder kinderlose Menschen wollen sehr oft von ihrem Erfolg und auch von den eigenen Vermögenswerten respektable Beiträge an die Gesellschaft zurückgeben. Die professionelle Gründung und Betreuung von Stiftungen sind dann Lösungen aus den Wünschen dieser Klientel. Eine Menge Vermögende sind überdurchschnittlich doppelt und mehrfach in gleichen Assetklassen investiert. Kauf ohne Plan und Struktur. Diversifikation? Korrelation? Oftmals Mangelware. Die sachwertorientierte Neuausrichtung der Vermögenswerte sowie die gesamte Abhandlung der Handlungsfähigkeiten runden die höherwertige Dienstleistung eines Nachlassplaners in der Kombination als echter Vermögensberater und Planer ab.

Autor:

Thomas Hennings ist Experte für Sachwertlösungen und Makroökonomie. Er ist Inhaber des Sachwert-Center Bremen. Bildquelle: privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: depositphotos.com/racorn, privat

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