Swatch: Kerngesunde Bilanz und über 3 Prozent Dividende

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Nachdem 2018 bei Swatch das Wachstum zurückkehrte, hat es der Uhrenhersteller im Moment erneut alles andere als leicht. Das Klumpenrisiko „Asien“ macht dem Konzern erneut zu schaffen, wie die veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2019 zeigen. Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus (Flugverbote nach China, abgeriegelte Städte, allgemeine Reisepanik) können den Absatz in Asien und mit asiatischer Kundschaft zusätzlich gefährden. Doch auch an anderen Fronten hat Swatch derzeit zu kämpfen: Das mittlere und untere Preissegment schwächelt – es gibt kritische Stimmen, die behaupten, dieses Segment der Schweizer Uhrenindustrie sei hoffnungs- los verloren. Als wäre das nicht genug, untersagt die Schweizer Wettbewerbskommission (WEKO) der Konzerntochter ETA die Lieferung von Uhrenwerken an Drittfirmen. Mit seiner Prognose für 2020 bleibt das Management um CEO Hayek dennoch zuversichtlich.

Das Klumpenrisiko „Asien“

Von dem Klumpenrisiko „Asien“ sind alle klassischen Uhrenhersteller sowie Luxusgüterunternehmen betroffen. Den vollständigen Geschäftsbericht hat Swatch noch nicht vorgelegt, entsprechend konnten wir den aktuellen Umsatzsplit nach Regionen noch nicht einsehen. 2018 stand die Region Asien aber für 62 Prozent der Umsätze – 37 Prozent stammen allein aus China. Zudem steckt auch im Europa-Umsatz ein gewisser Chinaanteil (nämlich durch Touristen). Dies eingerechnet, könnten rund die Hälfte des Umsatzes durch chinesischen Konsumenten erwirtschaftet werden. Das würde bedeuten: Insgesamt wären drei Viertel der Einnahmen Asien zuzurechnen.

Von dieser Abhängigkeit wird sich Swatch kaum lösen können. Die aufstrebende Mittelschicht in China will zeigen was sie hat – für ein entsprechendes Statussymbol am Handgelenk ist kein Preis zu teuer. Bei keiner anderen Nation ist die Nachfrage nach hochpreisigen Luxusuhren höher.

Coronavirus ohne große Folgen

Neben den rückläufigen Geschäftszahlen haben auch Meldungen zum Coronavirus viele Anleger verschreckt. Für Aufsehen sorgte dabei eine Studie der Royal Bank of Canada (RBC). Das Bankhaus hat die möglichen Folgen auf die Luxusgüterindustrie beleuchtet. Konkret sei im Branchenschnitt mit einem Umsatzrückgang von 4 Prozent und einem Gewinnrückgang von bis zu 8 Prozent zu rechnen.

Aus dem Papier geht auch hervor, dass in diesem Sektor die Aktien von Swatch und Richemont am stärksten exponiert seien. Die Abhängigkeiten beider Unternehmen vom asiatischen Markt sind tatsächlich mit am höchsten. Dennoch rechnet Swatch-CEO Hayek nicht mit einem großen „Corona-Effekt“ für sein Unternehmen, sondern nur mit kurzfristigen Folgen für die nächsten Monate. Er stützt sich dabei auf Erfahrung. Als vor siebzehn Jahren das Sars-Virus grassierte, das nach Aus- sagen etlicher Virologen und Pharmaexperten aggressiver gewesen sein soll, gab es bei Swatch auch keinen langfristigen Effekt.

Die schwächelnde Konjunktur in China dürfte sich hingegen länger bemerkbar machen. Dennoch ist es nicht ratsam, in Bezug auf Swatch in Panik zu geraten. Es gibt auch Lichtblicke, wie etwa das steigende Onlinegeschäft.

Online-­Handel nimmt zu

Es hat sich als richtig erwiesen, (endlich) den Online-Handel voranzubringen. Wir schreiben deshalb – trotz pessimistischer Stimmung in so manchen Medien – das mittlere und untere Preissegment noch nicht ab.

Beispielsweise in den USA wächst der Absatz der Marke Swatch im E-Commerce seit Oktober 2019 um monatlich 25 Prozent. Auch in China entwickelt sich das Onlinegeschäft positiv. Dort profitieren ebenfalls vor allem Uhren im mittleren und unteren Preissegment.

Während Swatch in letzter Zeit das Onlinegeschäft gestärkt hat und auch künftig diesen Absatzkanal weiter ausbauen möchte, wurde das Filialgeschäft schritt- weise reduziert. Im letzten Jahr wurden 60 Verkaufsfilialen geschlossen. Vor allem waren davon Hongkong und die USA betroffen.

Vorläufiges Lieferverbot für ETA Uhrwerke

Im Dezember 2019 verhängte die Wettbewerbskommission (WEKO) ein Lieferverbot für ETA Uhrwerke an Drittfirmen. Swatch darf seit- dem keine Laufwerke mehr an Unternehmen außerhalb der Gruppe liefern. Einzige Ausnahme bleiben Kleinstbetriebe, die ohne die Lieferung nicht mehr existieren könnten. Der Grund dafür ist verzwickt: Swatch möchte seine Laufwerke nur noch an ausgewählte Kunden liefern. Die WEKO verlangt aber: alle oder keiner. Hintergrund ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 2013. Weil ETA damals eine marktbeherrschende Position hatte, verpflichtete die WEKO das Unternehmen dazu, an alle Uhrenanbieter zu liefern. Gleichzeitig einigten sich die Swatch-Gruppe und die WEKO darauf, diese Lieferungen bis Ende 2019 zurückzufahren, damit sich Konkurrenz etablieren kann.

Wie Swatch sind auch wir der Ansicht, dass sich der Wettbewerb tatsächlich deutlich geändert hat. Swatch ist lange nicht mehr der einzige Lieferant von Laufwerken. Im letzten Jahr hatte das Unter- nehmen Sellita eine Million mechanische Uhrwerke geliefert. Das entspricht fast dem doppelten Volumen von ETA. Wir können die Entscheidung der WEKO deshalb nicht nachvollziehen. Noch ist der Entscheid aber nur vorläufig und wir rechnen Swatch gute Chancen ein, sich dagegen wehren zu können.

Im Sommer soll eine endgültige Entscheidung fallen. Selbst wenn diese weiterhin zu Ungunsten von Swatch ausfallen sollte, sind wir überzeugt, dass sich der Konzern davon nicht unterkriegen lässt.

Ein Auszug aus dem Buch „Weltsystem Crash“ von Max Otte

Bildquelle: depositphotos.com/Lstock, Cover: FinanzBuch Verlag

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