Containervermarkter P&R stellt Insolvenzantrag

0

Das müssen Privatanleger jetzt wissen

Der Finanzdienstleister P&R – der größte Anbieter von Investitionen in Seecontainer – hat am 15. März 2018 einen Insolvenzantrag gestellt. Für die 50.000 Anleger, die 3,5 Milliarden Euro in die Schiffsboxen gesteckt haben, ist es ein Schock. Für Eingeweihte kommt dieser Schritt dagegen nicht aus heiterem Himmel. Hat doch die Insolvenz des vergleichbaren Dienstleisters Magellan Maritime Services GmbH bereits vor knapp zwei Jahren den Markt erschüttert – allerdings in wesentlich geringeren wirtschaftlichen Dimensionen als bei P&R.

Das Investitionsmodell schien so simpel aufgebaut zu sein, wie ein Schiffscontainer selbst: P&R verkaufte den Anlegern die standardisierten Boxen, die dafür eine Art Eigentumszertifikat erhielten. Das Unternehmen mietete sie sofort gegen eine scheinbar auskömmliche Gebühr zurück und verlieh sie wiederum an die großen Charterer und Linienreedereien weltweit weiter – von denen P&R die Einnahmen organisierte und einen Teil davon an die Anleger weitergab. Soweit die Theorie. Offenbar stimmte jetzt die Kalkulation nicht mehr. Die erzielten Erlöse von P&R reichten wohl nicht mehr aus, um das Geschäft – auch durchgeführt über eine Reihe von Tochtergesellschaften, darunter in der Schweiz – am Laufen zu halten und den Investoren die versprochenen Einkünfte auszuzahlen.

Fragen an den Insolvenzverwalter

Es ist paradox: Anleger erhalten derzeit kein Geld aus der Miete oder dem finalen Verkauf ihrer Container – obwohl sich der Schiffs- und Containermarkt recht stabil zeigt und die großen Charterer pünktlich ihren Zahlungsverpflichtungen nachgekommen sind. Der Rechtsanwalt Niels Andersen und seine Andersen Rechtsanwalts GmbH prüfen daher nun Ansätze für die rechtliche Vertretung von Anlegern – ein Weg, den er bereits vor zwei Jahren bei der Magellan-Insolvenz gegangen ist. Hier hat der Berliner Anwalt mehrere Tausend Investoren erfolgreich vertreten. Zentral sind für Andersen mehrere Punkte, die sich vor allem aus den Erfahrungen aus dem Magellan-Debakel ergeben:

  • Was sind die konkreten Ursachen für die Insolvenz? Denn der Schiffs- und Containermarkt als Ganzes funktionierte in den vergangenen Jahren manierlich. Zudem haben die Charterer verlässlich ihre Miete gezahlt.
  • Hätte nach der Magellan-Pleite im Juni 2016 und den damit aufgeworfenen Fragen hinsichtlich des Konstrukts nicht zumindest seitdem der Vertrieb von Schiffscontainern reduziert oder eingestellt werden müssen?
  • Ebenfalls vor dem Magellan-Hintergrund: Sind die Eigentumsverhältnisse an den Containern geklärt und wasserdicht – oder ergeben sich auch hier jahreslange Ungewissheiten?

„Alles in allem stellt sich die Frage, ob sich die Schwierigkeiten, in denen P&R steckt, nicht bereits lange abgezeichnet haben. Haben überhaupt die Ertragsprognosen von P&R gestimmt oder waren sie zu optimistisch angelegt?“, erläutert Andersen ein mögliches Vorgehen.

Gemeinsame Interessenvertretung sinnvoll

Andersen rät Investoren, sich in jedem Fall einen Anwalt zu nehmen: „Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Geld im Fall von P&R nicht ganz verloren – besonders bei Anlegern, die schon mehrere Jahre engagiert sind. Insgesamt ist es jedoch sinnvoll, auch wirtschaftlich gesehen, dass sie ihre Interessen bündeln. Zum einen wegen der juristischen Aufarbeitung, vor allem aber auch gegenüber dem Insolvenzverwalter. Wir kontrollieren ihn, prüfen seine geschäftlichen Entscheidungen und gehen auch auf die Gläubigerversammlungen. Auf diese Weise sind die Investoren am besten informiert, zumal wir die rechtlichen und Business-Aspekte gleichermaßen im Blick haben. Wir streben dabei immer ökonomisch vernünftige Lösungen an“, so Andersen abschließend.

 

Bilder: Depositphotos/3dmentat, Andersen Rechtsanwalts GmbH.

Kommentare