Dietmar Wilberg – Gold bringt keine Zinsen. Warum auch?

0

Im folgenden werden die häufigsten Argumente gegen den Kauf von Gold, stellvertretend auch für seine edle Schwester Silber, auf ihren Gehalt geprüft, wobei ich der werten Leserschaft die Beantwortung der Kernfrage, nämlich nach dem größten Nutznießer der Anti-Gold-Argumente selbst überlasse.

Goldkäufer sind Spekulanten

Wer kein „Papiergold“ wie Zertifikate, sondern physisches Edelmetall erwirbt und sicher lagert, spekuliert keineswegs! Denn seine „Währung“ lautet nicht Euro, sondern Unze. Anders ausgedrückt: der Preis in Papiergeld kann schwanken, nicht jedoch das metrische Maß, das seinen Tauschwert bestimmt! Eine Unze Feingold entspricht rund 31,10 Gramm und dieses spezifische Gewicht behält sie – im Gegensatz zur Abwertung der umlaufenden Papiergeldwährung – auch im Falle einer „Neuordnung des Geldwesens“ bei!

Obwohl wir Deutschen mit Währungsreformen und der damit verbundenen Vermögensreduzierung reichlich Erfahrung besitzen, sprengt dieses Szenario die Vorstellungskraft der allermeisten Zeitgenossen. Dabei muss es gar nicht so schlimm kommen wie auf dem Scheitelpunkt der Hyperinflation im Herbst 1923, als eine Feinunze Gold sagenhafte 87 Billionen (das sind 12 Nullen hinter der 87!) Reichsmark kostete. Selbst in scheinbar „normalen“ Zeiten wie heute, ist Gold preislich nach unten abgesichert, denn in den letzten Jahren stiegen die durchschnittlichen Produktionskosten für eine Unze auf etwa 750 US-Dollar an. Sollte also der Goldpreis längere Zeit unter seine Produktionskosten fallen, würde dies folgerichtig seine Förderung drosseln, da es sich kein Unternehmen leisten kann, lange ohne Kostendeckung und Gewinn zu wirtschaften. Das wiederum würde zur Verknappung führen und automatisch den Preis nach oben treiben.

Gold bringt keine Zinsen

Beginnen wir anders herum: warum gibt es überhaupt Zinsen für angelegtes Geld? Grob ausgedrückt ist der den Anlegern versprochene Zins jener „Preis“ des Geldes, der es in den Kreditgeldkreislauf lockt. Wenn ein Anleger Gold kauft, verzichtet er also auf jenen Preis, da sein Erwerb nicht in den Kreditgeldkreislauf fließt, sondern in sein privates Eigentum. Aufgrund der zur Herstellung einer beliebigen Goldeinheit aufgewendeten Arbeit, verkörpert diese eine bereits erbrachte Leistung und zugleich  das Eigentumsrecht seines Käufers!

Gold ist seit Jahrhunderten ein Synonym für Kaufkraftspeicherung. Hierzu ein Beispiel: Das 1908 erstmals vom Fließband gelaufene Ford T-Modell kostete nominal 850 US-Dollar bzw. 42,5 Goldunzen. Einhundertdrei Jahre später, zum kalendarischen Sommeranfang 2011, kostet ein durchschnittliches „Nachfolgemodell“ wie der Ford Focus Limousine 2,0 Diesel PF mit Schaltgetriebe gut 34.500 US-Dollar bzw. 22,35 Goldunzen. In 103 Jahren verteuerte sich also ein Mittelklasseauto in der Weltleitwährung US-Dollar um jährliche 3,6 % und kumuliert um sagenhafte 4.060 %, während es sich in Gold um 47,5 % verbilligte!

Wozu braucht Gold also Zinsen als Inflationsausgleich, wenn es dazu fähig ist, über  eine durchschnittliche Menschenlebenspanne hinaus seine Tauschkraft stabil zu halten?

Gold ist jetzt zu teuer

Bei diesem Argument wird oft die Preisspitze von 850 US-Dollar je Goldunze im Januar 1980 als Orientierungspunkt  herangezogen. Da diese Marke aktuell bei gut 1.500 US-Dollar liegt, gilt Gold jetzt als überteuert.

Unabhängig vom sinkenden physischem Angebot und dessen starker Nachfrage sei an die Inflation ausgleichende Eigenschaft von Gold erinnert: rechnet man die offizielle Teuerungsrate der USA von gut dreieinhalb Prozent pro Jahr von 1980 bis 2011 hoch, so sollte der damalige Höchstkurs heute bereits bei über 2.500 US-Dollar angelangt sein! Welche Überraschung, oder?

Der entscheidende Unterschied zu 1980 ist jedoch, dass wir es heute nicht mit einem regionalen Konflikt (Irak gegen Iran) mit kurzzeitigen Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt zu tun haben, sondern mit kumulativen Risiken! Während damals der Goldpreis mit drastischen Zinserhöhungen der US-Notenbank heruntergedrückt wurde, lief die Weltwirtschaft zwischen 1980 und 2000 sehr dynamisch, parallel begleitet von einer Aktienhausse. Mittlerweile hat sich ein unrückzahlbarer Schuldenberg in Staaten und Großkonzernen angehäuft – emittierte Schuldpapiere im Wert von rund 90 Billionen US-Dollar sind weltweit in Umlauf, was über 150 % der  Weltwirtschaftsleitung von 2009 entspricht! Hinzu gesellen sich gesättigte Märkte in Europa und Nordamerika, die das notwendige Wachstum bremsen, Ressourcenverknappung und Verteilungskämpfe, um nur einige weitere Problemfelder unseres „Höher-schneller-weiter“-Wirtschaftsmodells zu benennen.

Gold und Silber verkörpern geronnene Arbeitsleistung, sind frei vom Ausfallrisiko einer Gegenpartei und haben sich seit Jahrtausenden als allseits akzeptiertes Tauschmittel in Krisenzeiten bewährt. Angesichts dieser Eigenschaften und umrahmt von einer diffusen Ausgangslage sind Sie weder Spekulant, noch „Zuspäteinsteiger“, wenn Sie jetzt einen Teil Ihres Sparguthabens in Gold und Silber konvertieren und somit Kaufkraft sicher speichern. Sie sind dann einfach ein Mensch mit dem Faktor GMV – Gesunder Menschenverstand!

Dietmar Wilberg
Finanzplaner/MBA
Berlin, Juni 2011, Bild Frank Ulbricht pixelio.de